Dörthe Bäumer

„Künstler müssen selbst über ihre Arbeit sprechen können und dürfen die Interpretation ihrer Arbeiten nicht nur den Kunsthistorikern und Kuratoren überlassen.“

Erster Salon-Abend vom mehrraumkunst e.V. im Atelier von Dörthe Bäumer

Am 03.10.2017 begann mit unserem Besuch bei Dörthe Bäumer ein neues Kapitel in der Arbeit des Vereins mehrraumkunst. Mit der Salon-Reihe wollen wir der Atelier-Thematik und -Problematik in München weiter auf den Grund gehen, den kollegialen Austausch unter den Münchner Künstlern auch über den Verein hinweg fördern und Verbindungen schaffen zwischen der über ganz München versprengten Künstlerschaft.

 

In das Gespräch eingestiegen sind wir über eine Präsentation, in der uns Dörthe Bäumer ihre künstlerische Arbeit und Entwicklung vorstellte. Als Präsentation von einer Künstlerin für Künstler bot bereits dieser erste Schritt eine Vielzahl von Anregungen. So diskutierten wir etwa die sich wandelnden Anforderungen an Kunst im öffentlichen Raum und die Frage, ab wann es sinnvoll ist, Teile der praktischen Umsetzung externen Experten zu überlassen. Immer wieder tauchte in diesem Teil der Bezug zu den Räumlichkeiten und der Rolle des Künstlers im Kunstkontext, bzw. der Gesellschaft allgemein auf. 

 

Dass München nicht gerade üppigen Raum bietet für Kulturschaffende wurde bereits an der von uns organisierten Podiumsdiskussion im Kunstpavillion, am 25. Februar 2017 mehrheitlich festgestellt. Die Raumknappheit und die hohen Mieten erschweren das Entstehen von kulturellen Hot Spots, Atelierhäusern und gemeinschaftlichen Experimentierflächen. Am Beispiel von Dörthe Bäumers Atelier wurde deutlich, wie positiv und produktiv sich künstlerische Prozess langfristig entwickeln können, wenn sich die Künstlerin in ihrem Atelier einen sicheren und maßgeschneiderten Hafen gestalten kann, von dem aus sie arbeitet. Großprojekte, die über mehrere Jahre laufen, wie auch diverse Auslandsprojekte wären ohne eine langfristig stabile Raumsituation im eigenen Atelier logistisch kaum zu stemmen. Dörthe Bäumers Atelier dagegen wirkt wie eine Verlängerung ihrer selbst, wie jedes Atelier der Wiede-Fabrik ein individueller Ausdruck des in ihm arbeitenden Kunstschaffenden ist. Neben der privaten Trägerschaft des Areals ist es eine Besonderheit, dass die zu Lagerraumkonditionen angemieteten ehemaligen Fabrikräume in der Innengestaltung sehr individuell sind.

  

Im zweiten Teil des Abends entstand eine lebhafte Diskussion, an der alle Anwesenden ihre Sichtweisen und Erfahrungen zu Kunst- und Künstler-spezifischen Fragestellungen austauschen konnten. Besonders intensiv wurde die Frage der Kommunikation der eigenen Arbeit besprochen. Hier betonte Dörthe Bäumer, die neben ihrer eigenen künstlerischen Arbeit auch kuratorisch und journalistisch tätig ist, dass Künstler sich in der Öffentlichkeit zu wenig zu ihrer Arbeit artikulieren. Dies betrifft nicht nur die Interpretation und Verortung ihrer eigenen Werke, sondern auch die Kommunikation der Einzigartigkeit des Berufsstandes Künstler. Hier besteht von Seiten der Künstler dringende Handlungsbedarf, um nicht selbst zum Spielball des Marktes oder kuratorischer Eigenwilligkeit zu werden, aber auch um eine gesellschaftliche Anerkennung und Positionierung des Berufsstandes Bildernder KünstlerInnen aktiv mitzugestalten.

Herzlichen Dank an Dörthe Bäumer und das Kulturreferat München für diesen bereichernden Abend.

Wir freuen uns auf die kommenden Salon-Abende.

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