münchen

Die Betrachtung einer gegenwärtigen Stadt wie München lässt unterschiedliche Entwicklungsmöglichkeiten zu. Jede dieser Möglichkeiten bietet dann noch verschiedene Versionen derjenigen, die bleiben dürfen, und diejenigen, die gehen müssen.

Die Erben der Nachkriegs- und Wiederaufbaugeneration müssen in Zeiten niedriger Zinsen ihr Vermögen auf dem Aktienmarkt anlegen, oder durch sichere Werte wie Immobilien stabil halten. Besonders in prosperierenden Städten wie München, in der beschränkter Wohn- und Arbeitsraum immer gefragter wird, treibt der Markt Mieten und Kaufpreise in die Höhe. 

Besonders im finanzanfälligen Kulturbereich werden steigende Mieten schnell zum Todesurteil. Freie Bühnen, Galerien oder Off-Spaces werden Opfer dieser Entwicklung und bringen eine Lawine ins Rollen. In der Folge sind bildende und darstellende Künstler und Musiker, die sich bereits keine Probe- und Arbeitsräume mehr leisten können,  ohne Auftritts- und Präsentationsmöglichkeiten. 

Die städtischen Verwaltungen raten den Kulturschaffenden, die Stadt zu verlassen und im Umland ihr Glück zu versuchen.

Wohin wird das führen, wenn eines Tages alle, die das tägliche Leben in der Stadt ermöglichen, weggezogen sind? Wenn autonom geführte Transporter die Internetlebensmittel bringen, die der Kühlschrank selbst bestellt hat? Computerentworfene Architektur bestimmt die neuen Wohnviertel, die von riesigen Betondruckern Tag und Nacht produziert werden werden. Endlose Staus in der Stadt, in denen selbstfahrende Elektrofahrzeuge versuchen, ihren einzelnen Passagier ins Büro zu bringen. Durch zentrische Kreise, die an Tarifzonen des früheren öffentlichen Nahverkehrs erinnern, wird von Innen nach Außen der Millionenreichtum der Bewohner gestaffelt: Innen die reichen Millionäre, außen die armen Millionäre.

Kulturevents wie Oper, Synphoniekonzerte und  Museumsausstellungen von Malerfürsten bedienen den gesellschaftlichen Wunsch nach Eigenpräsentation. Stars der Shows sind internationale Größen, die bereits in New York, London oder Shanghai ihre Bedeutung bewiesen haben. Künstlerviertel werden neu gebaut, um mit Werbeagenturen und Eventgastronomie den Coolness-Faktor zu erhöhen. Privatschulen und Exzellenzuniversitäten wetteifern weltweit um Ausnahmebegabungen, welche sie mit ihren wissenschftlichen Preisen und Auszeichnungen zum „besten Institut“ adeln sollen. Ausschließlich Sterneküchen buhlen um das verwöhnte Publikum. 

Im Städteranking kämpfen die internationalen Metropolen mit diesen Attraktionen um die marktführenden Großkonzerne, damit die Prosperität gesichert bleibt. Wer nicht das nötige Spielgeld mitbringt, muss draußen bleiben. 

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